Leica M8 mit Zeiss Biogon T* 25/2,8 ZM in silberDie spiegellosen Kamerasysteme nehmen immer mehr Fahrt auf und sind drauf und dran die althergebrachten Spiegelreflex Kameras abzulösen.

Mit den kurzen Auflagemassen der neuen Bajonette ergeben sich vielfältige Adaptiermöglichkeiten.

Viele Hobbyfotografen fragen sich deshalb in diesen Tagen wieder mal, welche Kamera am besten geeignet ist um Objektive mit M-Bajonett zu verwenden.

Kurz gesagt: Die beste Kamera für M Objektive ist und bleibt die Leica M (wer hätte das gedacht?). Auch wenn es nicht die perfekte Kamera für Jeden ist. Warum das so ist und was die Konkurrenz leistet habe ich hier mal versucht zusammenzufassen.

Warum überhaupt M-Objektive und nicht DSLR Objektive adaptieren?

M-Objektive sind klein, kompakt, oft leicht, gut verarbeitet, meist hervorragend gerechnet und nicht unbedingt teuer, wenn man z.b. auf Voigtländer oder Zeiss ausweicht statt bei Leica zu kaufen. Sie passen damit ausgezeichnet zum Formfaktor der spiegellosen Systemkameras, klassische DSLR Objektive wirken dagegen oft überdimensioniert und klobig.

Unterschiede

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den Kameras hinsichtlich ihrer M-Objektivkompatibilität habe ich in der folgenden Tabelle einmal zusammengestellt:

Tabelle (Fortsetzung):

So richtig perfekt ist eigentlich keine der hier gelisteten Kameras. Dem Ideal kommt die Leica M (Typ 240) zwar schon extrem nahe (=gibt zur Zeit nichts besseres), allerdings gibt es ein paar Störfaktoren: Aufstecksucher statt Hybridsucher (Ich mag keine Aufstecksucher!) und der im Vergleich exorbitant Hohe Preis von 6200 EUR. Geringfügig billiger wäre eine Leica M-E (4200 EUR!) oder eine gebrauchte M9(p), diese haben dann aber weder Gehäuseabdichtung noch optionalen EVF.

Eine M8 (ca 1500 EUR gebraucht) kann ich aus verschiedenen Gründen nicht empfehlen, weshalb sie in der Tabelle nicht enthalten ist. Die wichtigsten Punkte sind:

  • IR-Sperrfilter vor dem Objektiv ist Pflicht
  • Keine Korrekturwerte für Farbvignettierung einstellbar -> Postprocessing mit Cornerfix zwingend Erforderlich!
  • Keine Brennweiteneingabe in der Kamera möglich (erst ab M9).
  • Die High-ISO-Fähigkeiten sind nicht auf der Höhe der Zeit und waren es damals bei Erscheinen schon nicht (gilt auch für M9/p und M-E).

Die Fuji X-Pro1 hat einen Hybridsucher, dessen optischer Sucherteil aber nur sinnvoll mit Autofokusobjektiven zusammenspielt. Da könnte man dann direkt auf einen rein elektronischen Sucher gehen, wie bei der X-E1. Diese liegt mir wiederum nicht so gut in der Hand (zu klein…) und ist nicht ganz so gut verarbeitet wie die X-Pro1, kostet dafür aber auch um einiges weniger und besitzt eine Stereo-Mikrofonbuchse, einen eingebauten Blitz und einen dioptrienkorrekturfähigen Sucher.

Die Ricoh-GXR hat die zweitbeste Bildqualität nach der Leica M, allerdings kann mich die Bildqualität nicht über die störenden Punkte hinwegtrösten: Das Baukastensystem, bei dem man für jedes Teil einzeln zahlen muss verschleiert den doch ziemlich hohen Preis, die Verarbeitungsqualität hat mich nicht wirklich begeistert, das Userinterface wirkt irgendwie altbacken und der Sucher ist der schlechteste im Feld – noch dazu ein Aufstecksucher!

Die Nex-6 ist in Sachen Abbildungsleistung mit weitwinkligen M-Objektiven in Sachen Detailauflösung am Rand besser als die Fuji X-Pro1/E1, allerdings nervt mich das Bedienkonzept gewaltig: Kein Auto-ISO in M, kein Tri-Navi, nichtmal eine schnell erreichbare Belichtungskorrektur auf dem hinteren Rad und kein beiliegendes Ladegerät (sondern nur ein USB-Ladekabel…). Es gibt auch keine Korrekturmöglichkeiten für Abbildungsfehler von adaptierten Objektiven. Insbesondere Color Casts (“Farb-Vignette”) mit symmetrischen, weitwinkligen M-Objektiven können mit der Nex-6 nicht ausgeglichen werden. Auch wenn sie nicht ganz so stark auftreten wie bei der Nex-7, vorhanden sind sie trotzdem und in manchen Bildsituationen auch störend. Ganz abgesehen davon, dass mir Sony als Firma seit meinen Erfahrungen mit der Nex-7 höchst unsympathisch geworden ist.

Unnötig zu erwähnen, dass die einzige Kamera mit Kleinbildsensor im Feld die Leica M ist. Alle anderen sind Crop-Sensoren und ein 50er ist an diesen dann eben kein 50er mehr sondern ein leichtes Portraittele. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Auch haben Leica M Objektive oft den Nachteil einer recht geringen Naheinstellgrenze. Manche Zeiss und Voigtländer Objektive gehen bis runter auf 0,5m, in der Regel fangen Leica M Objektive meßsucherbedingt aber mit einer Naheinstellgrenze von 0,7m oder mehr an, weil der Meßsucher der Leicas erst ab 0,7m anfängt zu messen.

Hier bieten sogenannte Helicoid-Adapter die es für Fuji X und Sony Nex gibt Vorteile, da sich mit ihnen die Naheinstellgrenze reduzieren lässt. Inwiefern sich das auf die Abbildungsleistung und das Handling auswirkt steht natürlich nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

Fazit

Objektive mit M-Bajonett funktionieren am besten am Leica M-Bajonett. Hat man noch keine M Objektive lohnt sich der Kauf nicht wirklich, es sei denn man plant irgendwann in der Zukunft mal eine Leica M Anschaffung. Die Idee von “ein Objektivpark, wechselnde Kameras” ist zwar gut, funktioniert aber nur bedingt und mit unterschiedlichem Ergebnis, je nach Kamera/Objektivkombination. Meistens ist man besser dran, wenn man für jedes System eigene Objektive anschafft statt auf Teufel komm raus zu versuchen die Leica Schätzchen an Fremdherstellerkameras zu Benutzen.

Wenn man natürlich bereits über ein oder mehrere M-Objektive verfügt, ist man mit einer Leica M wahrscheinlich am besten bedient. Wer sich eine digitale Leica M nicht leisten kann / will sollte überlegen, ob er die Objektive nicht lieber verkauft. Wer die Objektive lieber behalten will kann sich überlegen eine Ricoh GXR, eine Fuji X-Pro1/E1 oder eine Nex-6 unter Inkaufnahme der entsprechenden Nachteile anzuschaffen bis es eines Tages eine Kleinbild-Mirrorless gibt, die in der Lage ist mit den Leica Objektiven umzugehen.

Fuji wirbt zwar dreisterweise in einer edlen Werbeanzeige für “Volle Leistung” bei Verwendung des Fuji-M-Adapters mit M-Objektiven - allerdings ist das nachweislich zumindest bei symmetrischen Weitwinkelkonstruktionen wie dem Zeiss 25/2,8, dem 18/4 oder auch den Voigtländer 12/5,6 oder 15/4,5 gelogen und nichtmal die halbe Wahrheit. Denn die Fujis haben zwar Korrekturparameter für Verzeichnung, Vignettierung und Color Cast, die man einstellen kann, aber die Randunschärfe aufgrund der Sensorkonstruktion in Verbindung mit symmetrischen Weitwinkeln macht den Vorteil leider zu nichte.

Auch die offizielle Kompatibilitätsliste für den Fuji M-Adapter besagt im Prinzip nur: “Dieses Objektiv passt mechanisch an den Adapter”, sagt aber nichts über die optische Leistung am Fuji X-Sensor aus. Am besten benutzt man an einer Fuji X einfach die Fuji X Objektive. Zumindest im Brennweitenbereich bis 35mm – oder mit herabgesetzten Ansprüchen an Offenblendtauglichkeit und Randschärfe.

Ansonsten ist die Fuji X, egal welche, eine ausgezeichnete Kamera, die vom Stil und Bedienkonzept ganz nah an einer digitalen Leica M ist. Manche würden sogar behaupten: Es ist die digitale M, die Leica hätte bauen sollen.

Ganz vergessen würde ich zur Adaption von M-Objektiven die Sony Nex-7. Diese ist mit M-Objektiven kürzerer Brennweite nur in schwarz-weiss zu gebrauchen. Oder in Farbe mit ordentlich Nachbearbeitung. Lilavignettierung und fehlende Korrekturmöglichkeiten gepaart mit leichter Randunschärfe. Tut euch das nicht an. Der Sensor ist so anspruchsvoll, dass selbst original Sony Nex Objektive wie das SEL 55-210 oder das SEL 16/2,8 ihm nicht gerecht werden können.

Ideal wäre aus meiner Sicht eine abgedichtete Fuji X-Pro1 mit dem Sensor der Leica M und einem mechanisch gekoppelten optischen  (oder zumindest ein elektronisch simulierter) Meßsucher im Hybridsucher sowie dem Klappdisplay und dem Focuspeaking der Nex-5n, den Videoeigenschaften der Nex-7 und dem Sucherokular der X-E1.

Im Moment hat man daher eigentlich nur die Möglichkeit zwischen Leica M/M-E/M9/M9-p und Ricoh GXR zu wählen, will man einwandfreie Bildqualität haben. Bei Sony und Fuji hat man lediglich die Möglichkeit zwischen Color Cast Problemen (Sony) oder Randunschärfen (Fuji) zu wählen.

Das beste Bedienkonzept hat meiner Meinung nach Leica, gefolgt von Fuji. Die GXR kommt kurz danach und weit abgeschlagen trottet Sonys Nex-6 hinterher.

Aber Hee! Die perfekte Kamera wird uns diese Fotoindustrie sowie so nie bauen – a) wäre das nicht gewinnbringend (was wäre der Grund für ein Upgrade zur nächsten Kamerageneration nach der “Perfekten”?), b) hat das noch nichtmal bei den DSLRs geklappt und c) findet irgendwer am Ende doch immer was zum Meckern. Oder? :)

Voigtländer Color-Heliar 75/2,5 an der X-Pro1 IIIAls ich mein erstes Voigtländer Color Heliar 75/2,5 bekam hatte ich noch nichtmal eine Kamera dafür. Die gebrauchte M8, die ich dafür vorgesehen hatte kam erst etwas später ins Haus.

Das Objektiv war silber und in exzellentem Zustand. Die M8 dazu war schwarz. Farblich passten sie überhaupt nicht zueinander, optisch hingegen begeisterten mich die Bilder vom ersten Moment an. Buttercremiges Bokeh und gute Schärfe schon bei Offenblende, die sich durch leichtes Abblenden noch weiter verbessern lässt. Eine ähnliche Charakteristik wie bei Pentax’ “Lila Monster” FA77/1,8 limited, dass ich so gerne mag.

Leider war es mir damals an der M8 nicht lang genug – und es kam wie es kommen musste: Voigtländer Color Heliar weg, gebrauchtes älteres Leica Summicron 90mm her. Wenn ich ein super Leica Tele hab brauch ich doch kein Color Heliar mehr! Dachte ich.

Das Summicron 90mm war mir jedoch zu gross und wurde gegen ein neueres Summicron-M 90mm ersetzt. Das war immer noch ziemlich schwer und – wie ich mit der Zeit lernte – auch extrem schwer zu fokussieren an der M8.

Ich sehnte mich zurück nach meinem kleinen, leichten Voigtländer, dass zwar 15mm kürzer als das Summicron war, aber einfach zu fokussieren und vor allem: Leicht (!). Aber dummerweise war keins mehr zu bekommen. Jedenfalls nicht in exzellentem Zustand und für unter 300 EUR. Das neuere Voigtländer 75/1,8 war inzwischen auf dem Markt – aber es ist weder wirklich klein noch leicht. Und es kostete deutlich mehr als sein Vorgänger, den ich so voreilig verstoßen hatte im Glauben ich könnte es ja immer wieder haben. Nun – manche Dinge sollte man sich vorher eben zwei Mal überlegen. Wieder was gelernt.

Meine M8 hatte ich ja in der Zwischenzeit auch schon wieder in der eBucht versenkt. Selbst wenn ich also eines bekommen hätte, so hätte ich es damals an meinen Nikons nicht nutzen können. Höchstens an der Olympus. Aber dafür hatte ich ja schon ein Tele und ein 90er oder 75er waren definitiv keine Portraitteles an den 2x-Crop Sensoren – Unspannend für mich. Ich hörte auf zu Suchen.

Doch dann kam die Sony Nex-7. Adaptiervorfreude! Aber leider…wieder nix. Die M-Weitwinkel hatten die Lilavignettierungsproblematik. Das 90er Summicron war erst ab Blende 4 an dem anspruchsvollen 24MP Nex-7 Sensor wirklich gut zu gebrauchen – und so schwer, dass ich es selten mitnahm. Auch funktioniert das Fokuspeaking nicht immer zuverlässig genug um mit dem 90er immer die Fokusebene exakt dorthin zu legen wo sie hin sollte. Das Summicron-M bekam einen neuen Besitzer.

Irgendwann nach der Photokina kam dann meine aktuelle Lieblingskamera, die Fuji X-Pro1. Und mit ihr kam dann endlich die Adaptierfreude, die ich gern mit meiner Nex-7 gehabt hätte. An dieser Kamera funktioniert wirklich jedes meiner M-Objektive endlich so gut, das es einen Riesenspaß macht damit zu Fotografieren. Teilweise sogar besser als an den Leica M Kameras, weil ich nicht mehr auf mechanische Toleranzen der Messuchermechanik angewiesen bin (Fokuslupe sei Dank…) und auf Cornerfix verzichten kann um die Farbvignettierung rauszurechnen.

Auf der Suche nach einem kleinen, leichten, adaptierbaren Fremdhersteller-Tele für die Fuji für den Urlaub stolperte ich dann in einem kleinen Fotogeschäft in München an der Gebrauchtwarentheke über ein – GENAU! – Voigtländer Color-Heliar 75/2,5. In Schwarz. Im Neuzustand und inklusive Originalverpackung zu einem heutzutage fairen Preis. Allerdings ohne den nötigen M39 auf Leica M Adapter – weswegen es dann auch nicht in den Urlaub mitkam und ich bis nach meiner Rückkehr warten musste damit Fotos zu machen.

Ich kaufte es trotzdem und seitdem sind die X-Pro1 und das 75/2,5 ein nahezu unzertrennliches Paar. Die kurze Affäre von damals hat sich inzwischen zu einer festen, zuverlässigen Beziehung entwickelt. Happy End? Eher: Alte Liebe rostet nicht. Oder einfach nur ein fröhlicher Neuanfang? Wie auch immer.

Ich möchte nicht noch mehr (für viele vermutlich todlangweilige) Worte darüber verlieren, daher gibts hier einfach ein paar Aufnahmen von letzter Woche, die während einem kurzen Herbstspaziergang in Münchens Nordwesten entstanden sind. Direkt aus der Kamera und unbearbeitet. Ich hatte wohl sogar vergessen am Adapter die richtige Brennweite einzustellen – ihr werdet das sicherlich entschuldigen.

Viel Spaß beim anklicken!

Photokina 2012, Eingang NordZeit für eine kurze Zusammenfassung. Was haben wir bisher gesehen? Was ist spannend? Was nicht? Ein kleiner Messeguide für Fotoenthusiasten.

Halle 1:

Leica. Dort gibt es die in jeder hinsicht Maßstäbe setzende Leica M zu bestaunen sowie eine hervorragende Galerie mit Werken von grossen Namen wie z.B. Elliot Erwitt.

In Halle 2.1 befindet sich der Zeiss Stand, dort kann man Prototypen der neuen X- und E-Mount Objektive 12/2,8 und 32/1,8 bewundern, sich das teuerste, grösste, am besten abbildende und schwerste 55/1,4 (~3000 EUR) Objektiv für Nikon und Canon ansehen sowie das 135/2 mit ZF.2 und ZE Bajonett in die Hand nehmen – natürlich neben allen bereits bekannten Objektiven aus dem Hause Zeiss.

Oben drüber, in Halle 2.2 befinden sich die Stände von Olympus, Nikon und Pentax. Bei Olympus kann man sich neben der bekannten OM-D E-M5 die E-PL5 und die E-PM2 ansehen, wenn man denn möchte. Vor allem aber sollte man mal durch die Olympus Galerie auf der Standrückseite gehen.

Bei Nikon sind alle aktuellen Top-DSLRs D4, D800E, D800 und D600 zu sehen. Und last but not least gibts bei Pentax Prototypen der neuen K-5 II und K-5 IIs zu begrabbeln. Auch die neue Q10 und das DA 560/5,6 für 7000 EUR sind einen Blick wert. Fragt die Standmitarbeiter mal nach Kleinbild-DSLRs bei Pentax – und schickt mir mal ein Foto, wenn sie die Augen verdrehen. :-)

Bei Canon in Halle 3 gibt es den neuen Nikon D600 Konkurrenten 6D mit GPS und WLAN zum ausprobieren, nebenan bei Panasonic findet man die neueste Video-Mirrorless GH-3.

In Halle 4.2 findet man Fujifilm, die die neue X-E1 inkl. der kompletten Fuji X-Objektivserie zum anfassen bereithält. Ausserdem findet man dort den Tamron-Stand mit einem umfangreichen Live-Programm und Sigma, die ebenfalls ihr komplettes Objektiv- und Kameraangebot vorstellen. Besonders interessant dort: das 500/4,5 Tele. Versteckt in einer Ecke und nur noch der Schatten seiner selbst findet man den Kodak Stand, wo es aber leider nur noch Printtechnik zu sehen gibt.

Direkt darunter in Halle 4.1 gibts bei Hasselblad einen Ferrari zu bestaunen – und den Nex-7 á la Carte Klon “Lunar“, für den Hasselblad irrwitzige 5000 EUR haben will.

Sony präsentiert auf seinem Stand in Halle 5.2 die WLAN Technik der Nex-5R und Nex-6 sowie den ersten erschwinglichen Semi-Pro Camcorder mit Kleinbildsensor, genannt VG900. Ausserdem ist dort das SEL 35/1,8 hinter Glas zu sehen und das neue, für Videoaufnahmen ausgelegte Kitobjektiv SEL 16-50 PZ. Für DSLR-Fans hat Sony die Alpha99 am Start – nebst etlichen Objektiven, die man sonst nur aus dem Katalog kennt. Wer das neue Nex Superweitwinkelzoom SEL 10-18 entdeckt: schickt mir doch bitte ein Foto davon. Ich habe es dort nicht entdeckt, aber ein Besucher der einen Tag später am Stand war behauptet Stein und Bein er hätte es dort gesehen…

Achja – und bevor ihr nach einen tollen Photokina-Tag wieder nach Hause fahrt schaut nochmal vor dem Eingang Nord bei den Ausstellungsflächen des Canon Profifoto Förderpreis und der Hasselblad Masters Awards vorbei. Könnte sich lohnen! :)

Homepage der Leica M M10Die Geschichte eines Traum(a)s

(Achtung – ein SEHR langer Artikel!)

Ich stehe auf. Mein Entschluss steht fest. Alles Fotoequipment kommt weg, ich will nur noch eine Leica M (im Netz auch unter M10 bekannt) haben. Ja – und dann?

Ich habe lange hin und her überlegt und wahrscheinlich werde ich mich auf Jahre verschulden müssen für diesen Schritt, aber es muss einfach sein. Es hilft nichts.

Harte Zeiten – M8

Damals, vor vielen Jahren hatte ich mit meiner M8 das Vergnügen mit dem Italian Flag Syndrom, das eine zwingende Benutzung der lästigen RAW-Bearbeitungssoftware CornerFix im Workflow erzwingt. Von den gelegentlich - meistens genau dann, wenns drauf an kommt natürlich – auftretenden SD-Kartenleserproblemen, Kameraabstürzen, dejustiertem Meßsucher und so weiter nicht zu sprechen. Ausserdem “nur” ein 1,3x Crop Sensor mit zwar wunderschönen Farben und einer sagenhaften Low-ISO-Performance – aber leider auch einer ziemlich miesen High-ISO-Performance und sehr begrenztem Spielraum nach oben.

Als wäre das alles noch nicht genug hatte ich auch das zweifelhafte Vergnügen, Opfer des Vertical Line Problems zu sein, was glücklicherweise bei Leica ohne mit der Wimper zu zucken repariert wurde. Und dann war da noch die Sache, dass man die Objektivdaten nicht eingeben konnte. Für eine Leica war mir der Verschluss der M8 auch viel zu laut. Und dennoch: Die Bilder, die in der Zeit entstanden in der die M8 funktionierte waren besser als das meiste was ich davor oder danach so zusammengeknipst habe.

Allerdings hatte meine anfängliche Freude durch die Zicken einen brutalen Dämpfer bekommen und erlosch. Zeitweise. Ich verkaufte die Kamera wieder, holte mir aber nach ein paar Monaten doch noch eine andere mit anderen Problemen – und das Spiel endete wie bei der Ersten mit einem resignierten Verkauf.

Alles wird besser – M9. Alles?

Bei der M9 soll vieles besser geworden sein, las ich. Aber auch da musste ich immer wieder vom Italian Flag Syndrom (nicht schon wieder Cornerfix…), Softwareproblemen mit dem SD-Kartenleser und Kameraabstürzen lesen. Einige Wenige Berichteten auch über dejustierte Meßsucher. Das Schlimmste aber war die meiner Meinung nach nicht so wirklich edle Oberflächenbehandlung mit auf mich billig wirkendem pulverbeschichtetem Lack, ein kratzempfindliches Displayglas und der hammerharte Preis.

Immerhin war es jetzt ein 18MP Kleinbild-CCD von Kodak, der in der M9 werkelte. Und der Verschluss war leiser, im angenehmen Bereich. Aber das Risiko, dass ich doch wieder ein Montagsmodell erwische und dann mit etlichen Tausendern drin hänge war mir einfach zu hoch. Ich kaufte nicht.

Almost there – M9-p

Bei der M9-p schien letztenendes alles perfekt: Verchromtes Finish, kaum Berichte über SD-Kartenprobleme oder dejustierte Meßsucher, ein guter solider Sensor, neue Firmware, Saphirdisplayglas, bessere Korrekturdaten für alle möglichen Objektive – aber, so war meine letzte Ausrede: Ich kann mit dieser Kamera, die alleine so teuer wie 3 komplette Fotoausrüstungen ist nicht alle anderen Kameras ersetzen.

“Für Portraits und Reportagekrempel ist die ja ganz toll” sagte ich mir. “Aber was mach ich mit Makro und Tele jenseits der 75mm? Und was ist mit dem kleinen Video zwischendurch?”. Viel Geld für eine Freizeitknipse mit begrenztem Einsatzbereich. Ein optischer Visoflex kam nicht in Frage für mich – und ein 300er an einer M manuell und ohne Liveview oder EVF auf einem segelnden, schwankenden Boot scharfstellen? Nö – das macht keinen Spaß. Zu teuer, zu spartanisch, zu unflexibel. Ich blieb bei meiner Nikon und hatte immer eine Mirrorless nebenbei fürs kleine Gepäck.

Das Finale

So. Und dann kam der 17. September 2012. Messegelände Köln-Deutz.

Am Vorabend des Photokina-Starts fand das grosse, exklusive Leica-Event “Das Wesentliche” statt. Ich war dort. Und nach schier endlos erscheinender Warterei, die zum Glück durch eine hervorragende, verdiente Preisverleihung an Nick Út für sein Bild vom “Napalm Mädchen” und Auftritten aller wichtigen, an der Veröffentlichung des Bildes beteiligten Personen interessant verkürzt worden war, wurde unter anderem die neue Leica M vorgestellt.

Preis: Etwas mehr als bei der M9-p, also 6200 EUR. Plus Extras. Aber: Staubdichtes Gehäuse (Sensorstaub war auch so ein Problem bei meiner M8…), optionaler Multifunktionshandgriff mit GPS (!), Gorillaglasgeschütztes Display, optionaler Elektronischer Sucher (Schwenkbar!) mit Focus peaking (Jippie – Endlich Makro und Tele!!!), Liveview, Videoaufnahme, verchromtes Finish bei der silbernen Version, 24MP Kleinbild CMOS-Sensor mit neuem Mikrolinsendesign und ein Bildprozessor mit guten Korrekturdaten für alle Leica-Objektive. Tolles Design, wertige Verarbeitung. Flotte Handhabung.

Kurz: Die erste Leica M mit der man alle Anwendungszwecke komplett abdecken kann und somit seine anderen Kameras komplett ersetzen kann. Die perfekte Synthese aus Meßsucher-Purismus und Moderner Mirrorless Kamera. Naja – zumindest fast. Klappdisplay und Ultraschall Sensorreinigung fehlen noch. Aber sonst? Das Beste aus beiden Welten. WOW!

Wenn Leica es denn schafft, die Kamera ohne dicke Bugs in Stückzahlen auszuliefern – und wenn ich es schaffe bis dahin den Kaufpreis aufzutreiben…

Träumen

Eine regelrechte Traumkamera hat Leica da entworfen. Und Träumen kann ich von der M zum Glück auch ohne sie zu besitzen. Grosse, schöne, wundervolle Träume träumen. Träume von Bildern mit Farben, die mich in Begeisterung versetzen. Träume von Bildern, die das zeigen, was ich ausdrücken wollte und nicht unbedingt das, was ich im Meßsucher gesehen habe. Träume vom perfekten Foto. Träume von einer Leica M.

Ja – und dann bin ich auf die Seite meiner Onlinebank gegangen.

Ich werde wohl noch sehr lange auf meine M warten…

(Und darüber muss ich dann aus dem Bett gefallen sein und bin aufgewacht.)

P.S. Jonathan Ive soll eine Supersonderspeziaexklusiv M designen. Soviel hatte Andreas Kaufmann auf der Leica Veranstaltung schon verraten – in einem Nebensatz, der mir erstmal völlig entgangen war. Jonathan Ive ist der Chefdesigner von Apple.

Es kann losgehen. Falk und ich sind auf dem Leica Event. Jetzt wirds spannend. (edit: Falk hat inzwischen auch einige Bilder von der Veranstaltung und eine gute Zusammenfassung gepostet)

Heisst es “Just another mirrorless” oder geht gleich richtig die Post ab bei Leica in Köln? Bald wissen wirs.

Im Moment läuft ein Film, der den Messestandaufbau im Zeitraffer zeigt. Mehr dazu später hier…

Das Event ist wie gehabt bis ins kleinste Detail hervorragend inszeniert und die Einlasskontrolle ist so Hart wie vor einer peinlichen Aktionärsversammlung bei der Deutschen Bank. Das kann nur richtig gut werden. Eigentlich. :-)

Update: Und es wurde richtig gut. Nach scheinbar ewiger Warterei und Auf-die-Folter-spannen, teilweise kurzweilig, teilweise bewegend und teilweise einfach nur nervig, wurde ab 21:00 Uhr ein Feuerwerk an neuen Produkten abgefeuert.

Hier nur schnell eine kurze Liste – ich bin seit 6 Uhr auf den Beinen Heute und non-stop unterwegs gewesen. Und – verzeiht es mir – ich will jetzt einfach nur schlafen. :)

  • Eine neue Leica S!
  • das dazu passende Weitwinkel Super-Elmar-S 24/3,5 ASPH
  • und eine Nahlinse für das APO-Elmar-S 180/3,5, genannt: Leica Elpro-S 180
  • Ein Zoom für die S: Leica Vario-Elmar-S 30-90mm / 3,5-5,6 ASPH
  • Das Leica TS-APO-Elmar-S 120mm Tilt-Shift Objektiv

Und jetzt das Spannendste (für mich als grossem M-Fan und Kritiker):

  • Eine neue Leica M, genannt: M. Ohne Nummer. Dafür mit 1080p FullHD Video, 24MP CMOS (!) Sensor, Liveview, aufsteckbarer EVF (hab ichs nicht gesagt? ;-) ) zusätzlich zum optischen Meßsucher, Gehäuseabdichtung (na ENDLICH!!!), längere Akkulaufzeit, Spotmessung. Für UVP 6200 EUR. Also nur 200 EUR mehr als für die M9-P. Für den Aufpreis hätte man 2006 noch nichtmal ein neues Saphirglas für die M8 bekommen!
  • Leica R Adapter für die M
  • Und noch eine M, genannt: M-E. E wie Einsteiger. Oder eher wie das “E” in ZEN – quasi die alte M9, purisitisch, ohne Schnickschnack. Antrazitgrau lackiert. Für die Liebhaber der guten alten Technik – und mit 18MP CCD Chip mit seinen besonderen Farben. Und die UVP liegt bei 4800 EUR. Quasi eine echte M9 in Sonderlackierung für 1100 EUR weniger als beim Verkaufsstart der M9! Fast schon ein Schnäppchen…

Ausserdem noch:

  • Die bereits bekannte X2 gibts jetzt auch a la Carte
  • Special Limited Edition Leica X2 “Paul Smith”
  • Ein Digiscope Adapter für die Leica X2
  • Zwei Kompaktknipsen, genannt: V-Lux 4 und D-Lux 6
  • Und last but not least ein Adapter um Systemkameras an Leica Fernrohre zu adaptieren.

Alles weitere dazu findet ihr auf der Leica Homepage oder direkt auf der Photokina in Halle 1.

Am Ende des Tages bleibt mir einfach nur der Mund offen stehen vor lauter Eindrücken. Einfach super! Und das Leica Event war ein gelungener Abschluss des ersten (Pr-/M-)essetages.

P.S.: Schaut euch, wenn ihr auf der Photokina seid unbedingt mal die Galerie in Halle 1 an – da sind ein paar echte Leckerbissen dabei! Sehenswert!