Die spiegellosen Kamerasysteme nehmen immer mehr Fahrt auf und sind drauf und dran die althergebrachten Spiegelreflex Kameras abzulösen.
Mit den kurzen Auflagemassen der neuen Bajonette ergeben sich vielfältige Adaptiermöglichkeiten.
Viele Hobbyfotografen fragen sich deshalb in diesen Tagen wieder mal, welche Kamera am besten geeignet ist um Objektive mit M-Bajonett zu verwenden.
Kurz gesagt: Die beste Kamera für M Objektive ist und bleibt die Leica M (wer hätte das gedacht?). Auch wenn es nicht die perfekte Kamera für Jeden ist. Warum das so ist und was die Konkurrenz leistet habe ich hier mal versucht zusammenzufassen.
Warum überhaupt M-Objektive und nicht DSLR Objektive adaptieren?
M-Objektive sind klein, kompakt, oft leicht, gut verarbeitet, meist hervorragend gerechnet und nicht unbedingt teuer, wenn man z.b. auf Voigtländer oder Zeiss ausweicht statt bei Leica zu kaufen. Sie passen damit ausgezeichnet zum Formfaktor der spiegellosen Systemkameras, klassische DSLR Objektive wirken dagegen oft überdimensioniert und klobig.
Unterschiede
Die wesentlichen Unterschiede zwischen den Kameras hinsichtlich ihrer M-Objektivkompatibilität habe ich in der folgenden Tabelle einmal zusammengestellt:
Tabelle (Fortsetzung):
So richtig perfekt ist eigentlich keine der hier gelisteten Kameras. Dem Ideal kommt die Leica M (Typ 240) zwar schon extrem nahe (=gibt zur Zeit nichts besseres), allerdings gibt es ein paar Störfaktoren: Aufstecksucher statt Hybridsucher (Ich mag keine Aufstecksucher!) und der im Vergleich exorbitant Hohe Preis von 6200 EUR. Geringfügig billiger wäre eine Leica M-E (4200 EUR!) oder eine gebrauchte M9(p), diese haben dann aber weder Gehäuseabdichtung noch optionalen EVF.
Eine M8 (ca 1500 EUR gebraucht) kann ich aus verschiedenen Gründen nicht empfehlen, weshalb sie in der Tabelle nicht enthalten ist. Die wichtigsten Punkte sind:
- IR-Sperrfilter vor dem Objektiv ist Pflicht
- Keine Korrekturwerte für Farbvignettierung einstellbar -> Postprocessing mit Cornerfix zwingend Erforderlich!
- Keine Brennweiteneingabe in der Kamera möglich (erst ab M9).
- Die High-ISO-Fähigkeiten sind nicht auf der Höhe der Zeit und waren es damals bei Erscheinen schon nicht (gilt auch für M9/p und M-E).
Die Fuji X-Pro1 hat einen Hybridsucher, dessen optischer Sucherteil aber nur sinnvoll mit Autofokusobjektiven zusammenspielt. Da könnte man dann direkt auf einen rein elektronischen Sucher gehen, wie bei der X-E1. Diese liegt mir wiederum nicht so gut in der Hand (zu klein…) und ist nicht ganz so gut verarbeitet wie die X-Pro1, kostet dafür aber auch um einiges weniger und besitzt eine Stereo-Mikrofonbuchse, einen eingebauten Blitz und einen dioptrienkorrekturfähigen Sucher.
Die Ricoh-GXR hat die zweitbeste Bildqualität nach der Leica M, allerdings kann mich die Bildqualität nicht über die störenden Punkte hinwegtrösten: Das Baukastensystem, bei dem man für jedes Teil einzeln zahlen muss verschleiert den doch ziemlich hohen Preis, die Verarbeitungsqualität hat mich nicht wirklich begeistert, das Userinterface wirkt irgendwie altbacken und der Sucher ist der schlechteste im Feld – noch dazu ein Aufstecksucher!
Die Nex-6 ist in Sachen Abbildungsleistung mit weitwinkligen M-Objektiven in Sachen Detailauflösung am Rand besser als die Fuji X-Pro1/E1, allerdings nervt mich das Bedienkonzept gewaltig: Kein Auto-ISO in M, kein Tri-Navi, nichtmal eine schnell erreichbare Belichtungskorrektur auf dem hinteren Rad und kein beiliegendes Ladegerät (sondern nur ein USB-Ladekabel…). Es gibt auch keine Korrekturmöglichkeiten für Abbildungsfehler von adaptierten Objektiven. Insbesondere Color Casts (“Farb-Vignette”) mit symmetrischen, weitwinkligen M-Objektiven können mit der Nex-6 nicht ausgeglichen werden. Auch wenn sie nicht ganz so stark auftreten wie bei der Nex-7, vorhanden sind sie trotzdem und in manchen Bildsituationen auch störend. Ganz abgesehen davon, dass mir Sony als Firma seit meinen Erfahrungen mit der Nex-7 höchst unsympathisch geworden ist.
Unnötig zu erwähnen, dass die einzige Kamera mit Kleinbildsensor im Feld die Leica M ist. Alle anderen sind Crop-Sensoren und ein 50er ist an diesen dann eben kein 50er mehr sondern ein leichtes Portraittele. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Auch haben Leica M Objektive oft den Nachteil einer recht geringen Naheinstellgrenze. Manche Zeiss und Voigtländer Objektive gehen bis runter auf 0,5m, in der Regel fangen Leica M Objektive meßsucherbedingt aber mit einer Naheinstellgrenze von 0,7m oder mehr an, weil der Meßsucher der Leicas erst ab 0,7m anfängt zu messen.
Hier bieten sogenannte Helicoid-Adapter die es für Fuji X und Sony Nex gibt Vorteile, da sich mit ihnen die Naheinstellgrenze reduzieren lässt. Inwiefern sich das auf die Abbildungsleistung und das Handling auswirkt steht natürlich nochmal auf einem ganz anderen Blatt.
Fazit
Objektive mit M-Bajonett funktionieren am besten am Leica M-Bajonett. Hat man noch keine M Objektive lohnt sich der Kauf nicht wirklich, es sei denn man plant irgendwann in der Zukunft mal eine Leica M Anschaffung. Die Idee von “ein Objektivpark, wechselnde Kameras” ist zwar gut, funktioniert aber nur bedingt und mit unterschiedlichem Ergebnis, je nach Kamera/Objektivkombination. Meistens ist man besser dran, wenn man für jedes System eigene Objektive anschafft statt auf Teufel komm raus zu versuchen die Leica Schätzchen an Fremdherstellerkameras zu Benutzen.
Wenn man natürlich bereits über ein oder mehrere M-Objektive verfügt, ist man mit einer Leica M wahrscheinlich am besten bedient. Wer sich eine digitale Leica M nicht leisten kann / will sollte überlegen, ob er die Objektive nicht lieber verkauft. Wer die Objektive lieber behalten will kann sich überlegen eine Ricoh GXR, eine Fuji X-Pro1/E1 oder eine Nex-6 unter Inkaufnahme der entsprechenden Nachteile anzuschaffen bis es eines Tages eine Kleinbild-Mirrorless gibt, die in der Lage ist mit den Leica Objektiven umzugehen.
Fuji wirbt zwar dreisterweise in einer edlen Werbeanzeige für “Volle Leistung” bei Verwendung des Fuji-M-Adapters mit M-Objektiven - allerdings ist das nachweislich zumindest bei symmetrischen Weitwinkelkonstruktionen wie dem Zeiss 25/2,8, dem 18/4 oder auch den Voigtländer 12/5,6 oder 15/4,5 gelogen und nichtmal die halbe Wahrheit. Denn die Fujis haben zwar Korrekturparameter für Verzeichnung, Vignettierung und Color Cast, die man einstellen kann, aber die Randunschärfe aufgrund der Sensorkonstruktion in Verbindung mit symmetrischen Weitwinkeln macht den Vorteil leider zu nichte.
Auch die offizielle Kompatibilitätsliste für den Fuji M-Adapter besagt im Prinzip nur: “Dieses Objektiv passt mechanisch an den Adapter”, sagt aber nichts über die optische Leistung am Fuji X-Sensor aus. Am besten benutzt man an einer Fuji X einfach die Fuji X Objektive. Zumindest im Brennweitenbereich bis 35mm – oder mit herabgesetzten Ansprüchen an Offenblendtauglichkeit und Randschärfe.
Ansonsten ist die Fuji X, egal welche, eine ausgezeichnete Kamera, die vom Stil und Bedienkonzept ganz nah an einer digitalen Leica M ist. Manche würden sogar behaupten: Es ist die digitale M, die Leica hätte bauen sollen.
Ganz vergessen würde ich zur Adaption von M-Objektiven die Sony Nex-7. Diese ist mit M-Objektiven kürzerer Brennweite nur in schwarz-weiss zu gebrauchen. Oder in Farbe mit ordentlich Nachbearbeitung. Lilavignettierung und fehlende Korrekturmöglichkeiten gepaart mit leichter Randunschärfe. Tut euch das nicht an. Der Sensor ist so anspruchsvoll, dass selbst original Sony Nex Objektive wie das SEL 55-210 oder das SEL 16/2,8 ihm nicht gerecht werden können.
Ideal wäre aus meiner Sicht eine abgedichtete Fuji X-Pro1 mit dem Sensor der Leica M und einem mechanisch gekoppelten optischen (oder zumindest ein elektronisch simulierter) Meßsucher im Hybridsucher sowie dem Klappdisplay und dem Focuspeaking der Nex-5n, den Videoeigenschaften der Nex-7 und dem Sucherokular der X-E1.
Im Moment hat man daher eigentlich nur die Möglichkeit zwischen Leica M/M-E/M9/M9-p und Ricoh GXR zu wählen, will man einwandfreie Bildqualität haben. Bei Sony und Fuji hat man lediglich die Möglichkeit zwischen Color Cast Problemen (Sony) oder Randunschärfen (Fuji) zu wählen.
Das beste Bedienkonzept hat meiner Meinung nach Leica, gefolgt von Fuji. Die GXR kommt kurz danach und weit abgeschlagen trottet Sonys Nex-6 hinterher.
Aber Hee! Die perfekte Kamera wird uns diese Fotoindustrie sowie so nie bauen – a) wäre das nicht gewinnbringend (was wäre der Grund für ein Upgrade zur nächsten Kamerageneration nach der “Perfekten”?), b) hat das noch nichtmal bei den DSLRs geklappt und c) findet irgendwer am Ende doch immer was zum Meckern. Oder?























